Alles, was Sie über Vaginismus wissen sollten und was Sie dagegen tun können

Wissenschaftliche Überprüfung
Paul Grandemange, Spezialisierter Beckenboden-Physiotherapeut

Vaginismus ist ein sensibles Thema, das viele Frauen betrifft, über das aber oft nicht gesprochen wird. Dies möchten wir ändern. Denn laut Schätzungen sind rund 15 bis 30 Prozent aller Frauen von Vaginismus betroffen. Sie sehen also: Scheidenkrämpfe sind ein Thema, das ganz normal ist und über das gesprochen werden sollte. Vielleicht leiden auch Sie an Vaginismus oder möchten sich einfach mal über dieses Thema informieren? Vielleicht suchen Sie auch ganz spezifisch nach Möglichkeiten, Vaginismus entgegen zu wirken und Ihren Beckenboden zu trainieren? Dieser Artikel bietet Ihnen einen Überblick über Vaginismus und alles was dazugehört. Von den Ursachen und Symptomen bis hin zu Behandlungsmöglichkeiten und präventiven Maßnahmen: Lesen Sie hier weiter, um einen tieferen Einblick in dieses Thema zu bekommen.

Was ist Vaginismus?

Zunächst einmal stellt sich natürlich die Frage: Was genau ist denn Vaginismus eigentlich? Vaginismus, auch Scheidenkrampf genannt, ist eine sexuelle Dysfunktion, die von krampfartigen Schmerzen in der Scheide während sexueller Aktivitäten gekennzeichnet ist. Der Krampf entsteht reflexartig und unwillkürlich, was das Eindringen von Objekten wie dem Penis, Fingern oder Tampons schmerzhaft oder sogar unmöglich macht. Es gibt zwei Hauptarten von Vaginismus: Primären Vaginismus, der von Beginn an, also immer besteht, und Sekundären Vaginismus, der erst nach einer Zeit schmerzfreier Sexualität (oder Tampon einführen) auftritt und sich steigert.

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Ursachen von Scheidenkrämpfen

Die Ursachen für Vaginismus können vielfältig sein. Psychische Faktoren wie Ängste vor Schmerzen oder bereits erlebte traumatische Erlebnisse sowie Ängste vor dem Erleben dieser können ebenso eine Rolle spielen wie körperliche Ursachen. Wer beispielsweise Angst vor Schmerzen hat, verkrampft oft bereits ganz von selbst. Vaginismus kann daher auch mit der Zeit schlimmer werden, da die Psyche vor den bereits aufgetretenen Schmerzen warnt und der Körper somit immer mehr verkrampft. Doch auch körperliche Ursachen können Vaginismus herbeiführen. Physische Ursachen von Vaginismus können vielfältig sein und reichen von anatomischen Faktoren bis hin zu medizinischen Bedingungen. Anatomische Anomalien, wie ungewöhnliche Verengungen oder Strukturanomalien in der Vaginalregion, können beispielsweise dazu führen, dass der Körper reflexartig auf das Eindringen von Objekten reagiert. Zudem können Infektionen oder Entzündungen im Beckenbereich Schmerzen und Verspannungen verursachen, die zu Vaginismus beitragen. Narbengewebe nach Operationen oder Verletzungen kann ebenfalls die normale Flexibilität beeinträchtigen.

Darüber hinaus können hormonelle Veränderungen, insbesondere in den Wechseljahren, das Vaginalgewebe beeinflussen und so zu Beschwerden führen. Es ist an dieser Stelle auch wichtig zu betonen, dass physische Ursachen oft mit den psychischen Faktoren interagieren, was die Diagnose und Behandlung von Vaginismus zu einer komplexen Angelegenheit macht, die eine sorgfältige Untersuchung durch Fachleute erfordert.

Symptome von Vaginismus

Die Symptome von Vaginismus manifestieren sich vorrangig während sexueller Aktivitäten und können von Frau zu Frau unterschiedlich sein. Ein zentrales Merkmal ist der unwillkürliche und schmerzhafte Krampf der Muskulatur im Vaginalbereich, der das Eindringen von Objekten wie dem Penis, Fingern oder anderen Dingen erschwert oder gar unmöglich macht. Dieser Krampf kann von leichtem Unbehagen bis zu intensiven Schmerzen variieren. Die Symptome zeigen sich zwar vorrangig beim Sex, können jedoch auch im Alltag auftreten.

Frauen mit Vaginismus erleben zum Beispiel oft auch Schwierigkeiten beim Einführen eines Tampons oder während gynäkologischer Untersuchungen. Genauso, wie auch die Ursachen von Scheidenkrämpfe sowohl physisch als auch psychisch sein können, zeigen sich auch die Symptome in beiden Feldern. So kann Vaginismus auch erhebliche Auswirkungen auf das emotionale Wohlbefinden haben. Betroffene Frauen können Angst vor sexuellen Aktivitäten entwickeln, was zu Spannungen in Beziehungen führen kann. Ein bewusstes Erkennen und Verstehen dieser Symptome ist entscheidend für die frühzeitige Diagnose und den Beginn einer individuellen Behandlung.

Behandlung und Therapieansätze von Vaginismus

Die Behandlung von Vaginismus erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Die Therapie kann von psychotherapeutischen Maßnahmen bis hin zu körperlichen Übungen und einem gezielten Beckenbodentraining mit einem Beckenbodentrainer oder mit Übungen wie den Kegel-Übungen reichen. Vaginismus kann jedoch auch durch gezielte Therapieansätze wie Entspannungsübungen oder das langsame Einführen von schrittweise größer werdenden Objekten gelindert werden. Medikamentöse Ansätze können in manchen Fällen ebenfalls hilfreich sein. Hierzu sollten Frauen einen Fachmann oder eine Fachfrau aufsuchen. Doch auch in nichtmedikamentösen Ansätzen empfiehlt es sich, sich einen ärztlichen Rat zu holen und die Behandlung offen und ganzheitlich anzugehen.

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Beckenbodentraining als integraler Bestandteil der Behandlung

Ein wichtiger Aspekt bei der Bewältigung von Vaginismus, den Sie oft bereits selbst zu Hause umsetzen können, ist das Beckenbodentraining. Zwar lohnt sich auch hier ein fachlicher Rat von Arzt, Hebamme oder Ähnlichen, gerade aber wenn Sie vor allem präventiv vorgehen möchten, ist ein gutes Beckenbodentraining oftmals der erste Schritt. Der Beckenboden ist eine komplexe Muskelgruppe , die unter anderem auch die Scheidenmuskulatur umfasst. Gezieltes Training kann Verspannungen lösen und dazu beitragen, dass die betroffenen Frauen lernen, ihre Muskeln in diesem Bereich besser zu kontrollieren. Durch frühzeitiges Training werden Frauen sensibilisiert und können ihre Beckenbodenmuskulatur besser kennenlernen und steuern.

Für mehr Freude in der Partnerschaft

Vaginismus kann, wie oben erwähnt, auf völlig unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden, darunter psychisch bedingte Ängste vor Schmerzen, traumatische Erlebnisse oder körperliche Faktoren. Andersherum gilt dies jedoch genauso: Frauen mit Vaginismus erleben oft nicht nur physische, sondern auch psychische Belastungen, die dann wiederum Auswirkungen auf ihre Partnerschaft oder ihren ganzen Alltag haben können. Eine offene Kommunikation, professionelle Hilfe und gezielte Therapieansätze können den Weg zur Heilung ebnen, was auch Ihrer Beziehung gut tut. Sie sollten sich nicht davor scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um ihre Lebensqualität zu verbessern und mögliche Probleme in der Partnerschaft zu verbessern. Ein gezieltes Beckenbodentraining kann übrigens auch ohne Vaginalismus nie schaden, sondern, im Gegenteil, wesentlich zu einem erfüllteren Sexualleben beitragen. Warten Sie darum gar nicht erst, bis es zu Problemen kommt, sondern gehen Sie die Sache präventiv und aktiv an.

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Vaginismus: Viele Frauen kämpfen damit

Vaginismus ist keine selten auftretende Erscheinung. Vielmehr ist es ein Thema, das Beachtung und Verständnis verdient. Die Sensibilisierung für Vaginismus kann dazu beitragen, dass Frauen frühzeitig Hilfe suchen und präventive Maßnahmen, wie Beckenbodentraining, ergreifen, um diese Herausforderung zu überwinden. Sie leiden an Vaginismus? Sie sind nicht alleine damit und es gibt keinen Grund, sich zu schämen. Schätzungen zufolge leiden zwischen 15 und 30 % aller Frauen heutzutage an Vaginismus. Dieses Phänomen darf demnach nicht totgeschwiegen werden und sollte für uns alle kein Tabu-Thema sein.

Fazit

Das Thema Vaginismus ist komplex und wichtig. In diesem Artikel konnten wir Ihnen hoffentlich einen kleinen Überblick darüber verschaffen, woher Vaginismus kommen kann, wie viele Frauen unter diesen Scheidenkrämpfen leiden und was Sie dagegen tun können. Wichtig ist hierbei noch einmal zu betonen, dass die Psyche oft mit in dieses Leiden reinspielt und dass Sie selbst durch ein gezieltes Beckenbodentraining, eine offene Kommunikation, die den Druck für Sie herausnimmt, und einige Entspannungsübungen viel gegen Vaginismus tun können. Und das auch bereits präventiv.

Frau macht Form mit Händen
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